Die Zeit der Stiftsfehde

Als die alten Deutschen seßhaft wurden und daran gingen, Feldmarken abzugrenzen und Land unter sich zu verteilen, gingen sie mit großer Gleichmäßigkeit und Gerechtigkeit vor.
Der Pflicht der Heeresfolge entsprechend, welche teils zu Pferd, teils zu Fuß geleistet wurde, erhielten diejenigen, welche zu Pferd folgten, mehr Land, als diejenigen, die zu Fuß folgten. Aus ersteren sind die Ackerleute oder Vollmeier, aus zweiteren die Kötner entstanden. Die Größe des Landes für die Ackerleute sind 3 Hufen oder 90 Morgen, das für die Kötner 1 Hufen oder 30 Morgen. Der Name Kötner, früher "Köther", ist abgeleitet von Koth = Teil, daher auch "Kotsaß". Wahrscheinlich haben die 3 Hufen bzw. 1 Hufe zur Erhaltung von 2 Familien gedient.

In uralten Zeiten war es Sache des freien Mannes, sich zu verteidigen und zu beschützen aufgrund des ihm zustehenden Fehderechtes. Wer nicht selbst Kraft und Mittel hatte, sich zu schützen, war genötigt, sich unter die Voigtei eines Schutzherren zu begeben. Hieraus ist ein Macht- und Abhängigkeitsverhältnis entstanden, welches sich im Laufe der Zeit zu Gerichts,- und Regierungsgewalt eines Herren über Untergebene herausgebildet hat.
Die Gegenleistungen für solchen Schutz waren die Voigtlasten, welche die Voigtleute ihren Schutzherren zu leisten hatten. Solche Voigtleute waren von Anfang an Erben ihrer Güter. Die Meyer waren anfangs Verwalter fremden Gutes, dem Erblichkeit hinzutritt.

Im ehemaligen Amt Lauenstein gelegen, ist die Geschichte der Gemeinde Eime mit den Geschicken des Amtes und Hauses Lauenstein eng verknüpft. Durch Zerstörung des gräflichen Schlosses Spiegelberg war unsere Gegend um 1226 an die Herrschaft der Homburger gekommen.
Die ersten Herren, welche wir als Oberherren hier antreffen, sind die Grafen von Northeim. Darauf kommen die Grafen von Spiegelberg in Betracht, dann die Edelherren von Homburg bis zum Jahre 1409. Am 9. Oktober 1409 übertrug Heinrich von Homburg. der letzte seines Stammes, seine Herrschaft Herzog Bernhard von Braunschweig. Damals bestand diese Herrschaft noch aus fünf Voigteien, unter anderem der Voigtei zum Lawensteine (Amt Lauenstein).

1433 wurde das Amt Lauenstein an den Bischof Magnus von Hildesheim versetzt. Der Bischof nahm die Huldigung entgegen. Er verpfändete Lauenstein an die Familie Bock von Nordholz, in deren Hand es bis 1493 verblieb. In selben Jahr kam es an die Familie von Saldern.

Heinrich von Saldern, in der Geschichte der Familie von Saldern der Achte, brachte 1493 das Haus Lauenstein als hildesheimisches Lehen an sich. Sein Sohn und Nachfolger war Burchard von Saldern, geboren 1483. Für die Summe von 9960 rheinischen Gulden hatte Bischof Barthold von Hildesheim das Haus Lauenstein 1493 an Heinrich VIII. von Saldern versetzt. Bischof Johann forderte 1514 die Einlösung, obwohl die Pfandzeit noch nicht abgelaufen war. Der Bischof wollte durch Einlösung der verpfändeten Güter das sehr verschuldete Stift wieder finanziell entlasten.
Ebenso wie gegen Lauenstein wurde gegen Bockenem verfahren, welches damals ein Hans von Saldern besaß. Hans von Saldern weigerte sich, Bockenem herauszugeben. Der Bischof zog es dennoch ein. Hans von Saldern nahm Rache, indem er überall das Stift schädigte und sogar dem Bischof zwischen Goslar und Osterwiek auflauerte und ihn gefangen nehmen wollte.
Der Bischof konnte sich aber eilig nach Goslar retten. Auch Lauenstein sollte nicht herausgegeben werden. Burchard von Saldern und seine Brüder Kurt und Hildebrand widersetzten sich dem Bischof, Lauenstein gegen Rückzahlung der Pfandsumme abzutreten.
Da nun viele hildesheimische Edle und Ritter von der gleichen Härte des Bischofs bedroht waren, schlossen sich 55 von ihnen im Jahre 1516 einen heimlichen Bund mit Herzog Erich von Braunschweig-Calenberg an. Es wurde soviel erreicht, daß die von Saldern noch zwei Jahre gegen den Willen des Bischofs im Besitz von Lauenstein und Bockenem blieben.
Da forderten das Domkapitel, die Prälaten, die Ritterschaft und Bürger von Hildesheim, daß ihnen die streitige Angelegenheit zur Entscheidung überlassen würde.
Der Vergleich wurde angenommen, und Domprobst Lewin von Weitheim bestimmte, daß der Bischof das Kapital und 3000 rheinischen Gulden für Verbesserungen denen von Saldern zu zahlen hatte und die dafür Schloß und Amt räumen sollten. Dadurch sahen sich die von Saldern zum Nachgeben gezwungen.

Als die bischöflichen Diener sich bei der Besitzergreifung des Lauenstein auch des Eigentums der bisherigen Inhaber bemächtigten und der Bischof dem Umstand keinerlei Interesse zollte, wandte sich Burchard von Saldern vom Bischof ab. Ohne sich hierdurch in seinem Streben irre machen zu lassen, kündigte der Bischof auch den übrigen Junkern die versetzten Häuser auf und betrieb mit Eifer die Einlösung der früher von der Kirche veräußerten Besitztümer.

Burchard hatte sich inzwischen gerüstet. Eine von dem Bischof zur Ausgleichung eingesetzte Kommission verwarf er als parteiisch und durchstreifte plündernd mit seinen Knechten das Land. Gronau wurde von ihm ausgebrannt, sogar die Hälfte der Neustadt von Hildesheim ging in Flammen auf. Rasch, wie er einbrach, wußte er sich durch die Flucht in das Gebiet von Minden oder Wolfenbüttel vor den Verfolgern der Bischöflichen zurückzuziehen. Einst, als er dicht vor Hildesheim vorbeiritt und sich der Übermacht seiner Gegner gegenüber sah, war er gezwungen, vom Pferd zu springen und sich durch Flucht in die Karthause zu retten. Von hier entkam er in den Dom, wo er sich in einer Gruft versteckte. Dort entdeckte ihn eine im Gebet begriffene Frau, deutete verstohlen auf ein sicheres Versteck und war ihm bei seiner Flucht behilflich.

Bischof Johann merkte, daß ein einzelner den ungleichen Kampf gegen das Stift nicht unternehmen würde, falls er sich nicht mächtiger Bundesgenossen versichern konnte. Er irrte nicht, wenn er zunächst die drei Herzöge von Braunschweig als solche ansah. Bei einem hatte Burchard von Saldern sichere Aufnahme gefunden, wenn ihn die Stiftischen verfolgten und mit Hilfe der Söldner des Bischofs von Minden hatte Burchard das Schloß und den Flecken Lauenstein niedergebrannt. Er hatte bei dieser Gelegenheit einen Fehdebrief an das Tor des Burgfleckens geheftet:

'Eck Borchert von Salder do bekant.
Dat eck hebbe gedan dussen Brand.
Dat bekenne eck mit miner Hand.'

Auch Bischof Johann suchte Bundesgenossen und fand solche in dem Grafen von Schaumburg und Herzog Heinrich dem Mittleren von Lüneburg. Es kam zur Schlacht bei Soltau 1519. Burchard von Saldern wurde durch Johann von Plettenberg gefangen genommen.

(entnommen der Festschrift 750 Jahre Eime von 1959)