Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung
des Flecken Eime bis zum Jahr 2030

Kurzzusammenfassung

Flecken Eime
Veränderung von 2015 bis 2030
In Pendlerreichweite der Landeshauptstadt, verkehrsgünstig gelegen und gut ausgestattet, hat der Flecken Eime ein bislang ungenutztes Entwicklungspotential. Um dieses Entwicklungspotential effizient und nachhaltig nutzen zu können, bedarf es einer abgestimmten, strategisch-operativen Gemeindeentwicklung. Dazu sind belastbare und fundierte Informationen zur aktuellen und zukünftigen Bevölkerungs-, Wohnungsbestands- und insbesondere Gemeinbedarfsentwicklung unabdingbar. Der Flecken Eime hatte daher im Januar 2016 das Büro für angewandte Systemwissenschaften in der Stadt- und Gemeindeentwicklung von Dipl.-Ing. Peter H. Kramer mit der Erstellung eines Gutachtens zur Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung beauftragt.
Bei den vorliegenden Bevölkerungsprognosen wird weder der dynamische und komplexe Charakter des Systems noch werden die wesentlichen Einflussgrößen auf die Bevölkerungsentwicklung ausreichend beachtet. Zudem werden die politischen Einflussmöglichkeiten gar nicht dargestellt. Aufgrund dieser einfachen linearen Fortschreibung der jüngsten Vergangenheit in die ferne Zukunft wurden die politischen Vertreter der Samtgemeinde Gronau genötigt, die Schließung der Sonnenbergschule zu beschließen. Folgt der Flecken Eime diesen Prognosen und setzt weiterhin die daraus abgeleiteten Maßnahmen um (wie von der NLG im IEK Samtgemeinde Gronau (Leine) empfohlen), realisiert die Gemeinde die selbsterfüllende Prophezeiung eines ewig während Niedergangs.
Geographisch liegt der Flecken Eime im Wirkungsbereich der Landeshauptstadt in einer wirtschaftlich aktiven Region. Im Wechsel von Babyboom und Pillenklick kommt es hier zu stark ausgeprägten zyklischen Wanderungsbewegungen. Schon in den 90er Jahren erfolgten hohe wohnraum bzw. baulandbedingte Wanderungsgewinne im Flecken Eime, als die Kinder der stark besetzten Babyboomgeneration ihre Familien gründeten und dies mit dem Bau bzw. dem Erwerb des eigenen Heimes verbanden. In den letzten Jahren wanderten deren Kinder u.a. ausbildungsbedingt wieder vermehrt in die größeren Städte ab. Dieser Moment wird in den Bevölkerungsprognosen in völliger Unkenntnis und Ignoranz der demographischen Entwicklung grob fahrlässig linear für Jahrzehnte fortgeschrieben. Demnächst werden vermehrt die Enkelkinder der Babyboomer geboren und die Zahl der Kinder wieder ansteigen. Derzeit setzt die Rückwanderungsbewegung der Kinder der Babyboomer "auf's Land" ein. Infolgedessen wurden im Flecken Eime bereits wieder die ersten Eigenheime gebaut und es kam zur Zuwanderung junger Familien.
Das vorliegende fast 300 Seiten starke Gutachten umfasst eine Analyse der bisherigen Entwicklung und der augenblicklichen Situation der Bevölkerung, des Wohnungsbestandes und der Beschäftigung des Flecken und seines Umfeldes und die Ermittlung realistischer Perspektiven und Szenarien zur zukünftigen Entwicklung sowie eine Folgenabschätzung insbesondere für den Gemeinbedarf. Die Szenarien umschreiben die Handlungsoptionen des Flecken. Im Intro-Szenario soll das bislang Erreichte bewahrt und
Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung des Flecken Eime bis zum Jahr 2030 - kramergutachten.de - April 2016
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gepflegt werden. Neben Baulücken, Umnutzungen und Bestandserweiterungen werden nur noch die bereits konkret geplanten Baugebiete realisiert. Im Extro-Szenario wird vor allem versucht, der gesamten Wohnraum- und Baulandnachfrage der verschiedenen Zielgruppen zu entsprechen. In diesem Szenario wird u.a. den jungen Familien aus dem Flecken und einigen Rück- bzw. Zuzugswilligen die Möglichkeit gegeben, ihren Lebensentwurf in der Gemeinde verwirklichen zu können. Ihnen wird ein auf ihre Interessen und Vorstellungen optimiertes Wohnraum- und Baulandangebot unterbreitet und aktiv vermarktet. Der Flecken Eime öffnet sich so für Neues und Neue. Dies schließt auch Maßnahmen zur Imagebildung und zur Innutzungshaltung ein. Damit leistet der Flecken Eime einen substanziellen Beitrag zur Entlastung der großstadtnahen Gemeinden.
Um die Folgen einer Umsetzung dieser Szenarien abschätzen zu können, erfolgte eine Computersimulation der kleinräumigen Bevölkerungs- und Wohnungsbestandsentwicklung der Jahre 2016 bis einschließlich 2030. Im Intro-Szenario steigt die resultierende Zahl der Einwohner im Flecken Eime zunächst kurzzeitig von 2.624 Ende 2015 bis auf 2.710 an und geht anschließend bis zum Jahr 2030 auf 2.600 zurück. Das sind dann kaum weniger Einwohner als 15 Jahre zuvor. Die schwindenden Gewinne aus den räumlichen Bevölkerungsbewegungen (Zu- und Fortzüge) können die hohen Verluste aus den natürlichen Bevölkerungsbewegungen (Geborene und Gestorbene) nur kurzzeitig ausgleichen.
Bei einer Realisierung des Extro-Szenarios ist die Gesamtbilanz der Wanderungsbewegungen durchgängig positiv und die Verluste aus den natürlichen Bevölkerungsbewegungen können zunächst abgeschwächt werden. Bis zum Jahr 2022 steigt die Zahl der Einwohner des Flecken Eime im ExtroSzenario auf 2.810 an. Am Ende des Betrachtungszeitraumes sind es noch 2.770 Einwohner. Das sind dann noch immer 5% mehr als im Ausgangsjahr 2015.
Die Zahl der möglichen Krippen- und Kindergartenkinder steigt im Intro-Szenario in den nächsten Jahren um etwa ein Fünftel an und geht anschließend bis zum Jahr 2030 wieder auf den Ausgangswert zurück. Im Extro-Szenario sind es zwischenzeitlich im Jahr 2021 fast 50% mehr unter 3-Jährige und im Jahr 2024 etwa 20% mehr 3- bis unter 6-Jährige. Allein deshalb müsste das Betreuungsangebot erweitert werden. Es ist jedoch auch davon auszugehen, dass die Betreuungsquote noch etwas ansteigt. Die Zahl der 6- bis unter 10-Jährigen geht zunächst noch leicht zurück und steigt dann im Intro-Szenario bis auf 75 und im Extro-Szenario bis auf 85 an. Um diesen Bedarf abdecken zu können, ist eine einzügige Grundschule erforderlich. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Halbwüchsigen im Intro-Szenario um etwa ein Viertel und im Extro-Szenario um ein Fünftel zurück gehen. Die Zahl der Jugendlichen und der jungen Leute geht in beiden Szenarien noch erheblich zurück. Im Extro-Szenario kann dieser Rückgang etwas abgeschwächt werden. Die Zahl der 25-bis unter 45-Jährigen steigt im Intro-Szenario um etwa 25% und im Extro-Szenario noch um etwa 30% an. Die Zahl 45- bis unter 65-Jährigen geht nach 2020 stetig zurück. Die Zahl der Einwohner im heutigen
Erwerbsfähigenalter sinkt bis zum Jahr 2030 im Intro-Szenario um etwa 7% unter den Ausgangswert. Im Extro-Szenario sind es dann unterdurchschnittlich nur 3% weniger 18- bis unter 65-Jährige als im Ausgangsjahr 2015. Zwischenzeitlich steigt ihre Anzahl sogar noch an. Im Jahr 2030 wohnen im Flecken Eime etwa 60% bzw. 70% mehr ?junge Alte? als gegenwärtig. Ihre Anzahl steigt aber erst langfristig an. Durch das umfangreichere und spezielle Wohnungsangebot können im Extro-Szenario mehr ältere Einwohner gehalten werden. Dagegen nimmt die Zahl der über 75-Jährigen im Flecken Eime in den nächsten Jahren kaum noch zu.
Wie in der gesamten Region könnte die Freiraumversorgung bzw. der öffentliche Raum im Flecken Eime erheblich effizienter und alltagsgerechter gestaltet werden. Um die Jugendlichen stärker an ihren Heimatort zu binden, ist das Leistungsangebot insbesondere für die engagierteren Jugendlichen zu erweitern. Die Zahl der sporttreibenden Kinder, Jugendlichen und Senioren steigt zwischenzeitlich noch etwas an, die der jungen Erwachsenen nimmt stetig ab. Insgesamt ist der Flecken gut mit Sportstätten versorgt. Die Zahl der Gestorbenen wird noch ansteigen. Dadurch wird zusätzlich Friedhofsfläche benötigt. Außerdem sind die Friedhöfe für die neuen Bestattungsformen vorzubereiten.
Während die umliegenden Gemeinden im Süden des Flecken Eime den prognostizierten Niedergang des ?demographischen Wandels? betreiben und viele der Gemeinden im Norden bereits die Grenzen ihres Wachstums erreicht haben, könnte der Flecken Eime für die Kinder der Babyboomgeneration eine Heimstätte bieten. Wenn die Enkelkinder der Babyboomgeneration in den nächsten Jahren die Grundschule besuchen, werden alle derzeit vorhandene Kapazitäten der Samtgemeinde zur Bedarfsdeckung benötigt, insbesondere auch die der Sonnenbergschule. Die zahlreichen Flüchtlinge und Immigranten verstärken diese ohnehin erforderliche Notwendigkeit lediglich. Der Standort Sonnenbergschule kann zum integralen Bestandteil des sozialen, kulturellen, integrativen und gesellschaftlichen Mittelpunktes des Flecken weiter entwickelt werden.
Die Zukunft des Flecken Eime ist nicht vorbestimmt und auch nicht vorhersehbar. Sie wird von den politisch Verantwortlichen gestaltet. Wie in allen Demokratien wird über die Lage, die Probleme und die politischen Ziele diskutiert und dann entschieden. Das Ergebnis ist immer offen und kann und soll auch nicht von Gutachtern "empfohlen" werden. Mit diesem Gutachtens steht den Entscheidungsträgern im Flecken Eime, in der Samtgemeinde und in den Landesbehörden für diesen Findungsprozess erstmals eine fachlich qualifizierte Arbeitsgrundlage zur Verfügung.



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